DAK-VRV sieht das deutsche Gesundheitssystem vor erheblichen Herausforderungen: steigende Beiträge belasten Versicherte und Arbeitgeber. Die medizinische Versorgung ist in vielen Bereichen im Vergleich zu anderen Ländern mittelmäßig, Fachkräftemangel sowie lange Wartezeiten bei Fachärzten
verschärfen die Situation.
Zudem führen teure individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) mit fragwürdigem Nutzen zu weiteren finanziellen Belastungen der Patienten und beanspruchen knappe medizinische Ressourcen.
Auf der anderen Seite steht ein ungesteuerter Zugang zu medizinischen Leistungen, ohne ausreichende Transparenz über Kosten und Nutzen für die Leistungsempfänger. Dies führt zu ineffizienter Ressourcennutzung und erschwert eine nachhaltige Finanzierung des Gesundheitssystems.
Zudem gibt es immer wieder Vorschläge selbsternannter „Experten“, die oft auf populistischen oder kurzfristigen Lösungen basieren, anstatt das System ganzheitlich und mit Weitblick zu reformieren.
Was sind die Ursachen?
Viele der heutigen Probleme sind weder neu noch unerwartet „vom Himmel gefallen“. Sie haben sich über viele Jahre entwickelt, zum Teil getrieben durch bewusste politische (Fehl-)Entscheidungen.
Die Komplexität des Gesundheitssystems und die Vielzahl an Akteuren mit unterschiedlichen Interessenlagen haben zur aktuellen Lage beigetragen.
Eine einfache und „schmerzlose“ Lösung dieser Probleme wird es nicht geben können. Ein Blick in die freie Wirtschaft zeigt, dass nachhaltige Lösungen nur durch tiefgehende Analysen und schmerzhafte Reformen möglich sind – das gilt auch für unser Gesundheitssystem.
DAK-VRV fordert:
Anstatt auf kurzfristige, populistische Vorschläge zu setzen, bedarf es einer umfassenden Analyse aller Faktoren, die das System belasten. Ziel muss es sein, realistische und nachhaltige Lösungsansätze zu entwickeln, die die Versorgung verbessern, ohne die Beitragszahler in ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit zu überfordern.
Dazu beitragen können Maßnahmen wie:
- Förderung der Digitalisierung (z.B. elektronische Patientenakten, Telemedizin)
- Ausbau von Präventions- und Gesundheitsförderprogrammen
- Verbesserung der Steuerung und Transparenz bei Kosten und Leistungen
- Effizienzsteigerung in der Ressourcenverwendung
- Verantwortung aller Beteiligten
Ein funktionierendes Gesundheitssystem basiert auf Verantwortungsübernahme:
Versicherte, Leistungserbringer, Politik und Interessenvertreter müssen gemeinsam an einer nachhaltigenLösung arbeiten. Eine klare Kosten-Nutzen-Bewertung von Leistungen und die Abkehr von der weit verbreiteten Vollkasko-Mentalität können zu einem sinnvollen Einsatz knapper Ressourcen
beitragen.
Für die DAK-VRV ist ein stabiles, finanzierbares Gesundheitssystem nur durch eine sachliche und nicht durch eine interessengruppengeleitete Herangehensweise erreichbar. Es erfordert Mut zu Reformen, Verantwortungsbewusstsein und die Bereitschaft, knappe Ressourcen effizient zu nutzen. Nur so kann die Versorgung gesichert und die Belastung für alle Beteiligten reduziert werden. Konzepte dazu müssen jetzt erarbeitet und schnell umgesetzt werden, um die prekäre Situation im Gesundheitswesen zu stabilisieren und die Krankenversicherung für die Beitragszahler bezahlbar zu halten.
Konzepte, die erst in zwei Jahren oder später zur Umsetzung kommen, kommen zu spät.
Ein erster und längst überfälliger Schritt zur Entlastung der Beitragszahler der gesetzlichen Krankenversicherung wäre für die DAK-VRV die sofortige und vollständige Übernahme der Kosten für Bürgergeldempfänger in Höhe von zehn Mrd. € durch den Staat und nicht wie bisher durch die Beitragszahler der gesetzlichen Krankenversicherung.
Jürgen Koch