Bei weitem nicht! Auch wenn sich die Versorgung mit Medikamenten für Kinder etwas stabilisiert hat, gibt es bei den sog. versorgungskritischen Arzneimitteln mehr Engpässe, insbesondere bei
Antibiotika, ambulanten Krebsmitteln und Antidiabetika.
Hauptursache ist nach wie vor die Abhängigkeit der Arzneimittelproduktion vom Ausland. Ohne Arzneimittelherstellung in Asien, vor allem in China und Indien (betrifft u. a. Schmerzmittel wie
Paracetamol, Ibuprofen und Blutdrucksenker), ist die Versorgung nicht gesichert. Dortige Produktionsstörungen/-ausfälle machen sich schnell bemerkbar. Wie dramatisch sich politisch gesteuerte „Lieferengpässe“ auswirken könnten, mag man sich gar nicht vorstellen (s. das Zurückhalten von Halbleitern durch China im Herbst 2025).
Deswegen muss sich nach Meinung der DAK-VRV die Politik mit hoher Priorität um die strategische Autonomie in der Arzneimittelversorgung kümmern. Und dies nicht nur auf nationaler, sondern auch auf europäischer Ebene. Erst kürzlich kritisierte der Europäische Rechnungshof mangelhafte Maßnahmen und Kompetenzen der EU bei der Bekämpfung von Arzneimittelengpässen und sieht massive Defizite in der Koordination der Mitgliedsstaaten untereinander. Die Beseitigung von Markthindernissen wie z. B. unterschiedliche Anforderungen an die Benennung, Kennzeichnung und Packungsgrößen von Arzneimitteln sowie eine schnelle gegenseitige Information über Liefer- bzw. Versorgungsengpässe und deren zentrale Erfassung durch die europäische Arzneimittelbehörde EMA wären nach Meinung des Rechnungshofs erste Schritte. Kontraproduktiv sei das Horten von Arzneimitteln durch einzelne Länder, was zu einer Verschärfung von Engpässen in anderen Ländern führt.
Die DAK-VRV unterstützt die Forderungen des Europäischen Rechnungshofs nach mehr Kooperation, mahnt aber an, dass politische Maßnahmen nicht zu (noch) höheren Arzneimittelkosten
führen dürfen.