DAK VRV sieht die finanziellen Herausforderungen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in Deutschland und kritisiert die bisherigen Reformansätze.
Finanzielle Situation der GKV
Deloitte prognostiziert ein Finanzloch von knapp 100 Mrd. € bis 2030, was die prekäre Lage der GKV verdeutlicht. Die von der Bundesregierung angedachten Sparmaßnahmen werden als unzureichend
erachtet, um die GKV zu stabilisieren. Bundeskanzler Merz fordert einen Neustart und eine Konzentration auf wesentliche Themen, bietet jedoch keine konkreten Lösungen an.
Reformvorschläge und deren Auswirkungen
Gesundheitsministerin Warken plant, Zuzahlungen für Medikamente und Krankenhausaufenthalte zu erhöhen, was vor allem die Versicherten belastet. Merz betont, dass die Bevölkerung mehr für soziale Sicherungssysteme aufwenden muss, ohne jedoch Beitragserhöhungen zuzulassen. Die Eigenbeteiligung der Versicherten wird voraussichtlich steigen, was die finanzielle Belastung erhöht.
Notwendige Fragen und Reformansätze
DAK-VRV sieht Bedarf an grundlegenden Reformen, um die GKV zu entlasten, anstatt die Versicherten weiter zu belasten.
DAK-VRV sieht Politik in der Verantwortung eine Reihe Fragen zu beantworten und zu den Antworten Lösungskonzepte zu erstellen:
Warum steht Deutschland mit 9,6 Arztbesuchen pro Jahr und Einwohner ganz oben in der Statistik, während Frankreich mit 5,5 Arztbesuchen im Mittelfeld und Schweden mit 2,3 Arztbesuchen an letzter Stelle der europäischen Staaten liegt?
Wie kann ein in der Koalitionsvereinbarung fixiertes Primärarztsystem flächendeckend funktionieren, wenn derzeit rd. 5.000 Arztsitze - überwiegend in ländlichen Bereichen - unbesetzt und Hausarztpraxen bereits jetzt voll ausgelastet sind?
Wie kann gesundheitsbewusstes Verhalten gefördert und honoriert werden?
Warum fließen Steuereinnahmen aus Tabak- und Alkoholsteuer (2024: Tabaksteuer: 15,6 Mrd. €; Alkoholsteuer: 2 Mrd. €) nicht vollständig in die Kassen der GKV? Der gesundheitsschädliche Effekt von Tabak und Alkoholkonsum ist wissenschaftlich hinreichend bewiesen.
Warum werden ungesunde Lebensmittel nicht höher besteuert und die Erlöse daraus der GKV zugeführt?
Warum orientieren sich die Kosten von Medikamenten nicht an ihrem tatsächlichen Zusatznutzen, z.B. an durch deren Einnahme gewonnenen Lebensjahren?
Zusammen mit den rd. 10 Mrd. € für die Gesundheitsversorgung von Bürgergeldbeziehern, die der Bund den Beitragszahlenden der GKV schuldet, summieren sich diese Beträge auf mehr als 27 Mrd. €.
DAK-VRV berechnet: mit dieser Summe in den Kassen der GKV wäre die Frage nach Beitragserhöhungen hinfällig.Eine gerechte Verteilung der Kosten und die Förderung gesundheitsbewussten Verhaltens sind für DAK-VRV essenziell für die Zukunft der GKV.
Forderungen
DAK-VRV fordert, dass medizinisch notwendige Behandlungen für Versicherte unbürokratisch und zeitnah zugänglich bleiben.
Reformen sollten nicht zu einer weiteren finanziellen Belastung der Versicherten führen, da viele bereits an der Belastungsgrenze sind.
Jürgen Koch, Buchholz